Young Story Award 2023
„Der Young Storyteller Award, präsentiert von story.one und Thalia, sucht die inspirierenden Storyteller und Geschichtenerzähler:innen unserer Zeit. Wir glauben an die Kraft junger Stimmen, die den Buchmarkt völlig neu bereichern und so den Weg für neue Trends und Bestseller ebnen.“

Leseprobe
Kapitel 1: Jahr 1999 – Johannes Maier
„Die Angst vor der Jahrtausendwende ist groß. Viele Computer können das Datum nur zweistellig anzeigen. Folgt nach dem Jahr 99 die Doppel-Null für das Jahr Zweitausend, wird das vom Computer als 1900 gedeutet. Die Konsequenz ist, dass Rechner zusammenbrechen. Davon wären auch die Städte in Baden-Württemberg betroffen.“ Die Stimme des Fernsehers schallte durch die Wohnung der Familie Maier und war bis ins Kinderzimmer zu hören, wo die beiden Brüder Johannes und Max sich die Zeit vertrieben, bis die Gäste zum Silvesteressen kamen.
Der ältere Bruder Johannes, durchforstete sein neues Nokia Handy, welches er zu Weihnachten bekommen hatte, nach interessanten Anwendungen, während sein kleiner Bruder Max Moorhühner am Computer abschoss.
Die beiden mussten über die ganzen Feiertage drinnen bleiben, da ein schrecklicher Orkan ihr Dorf verwüstet hatte und es zu gefährlich war, nach draußen zu gehen.
Johannes hoffte, dass die Erwachsenen sich bald wieder beruhigt hatten und es endlich anfangen würde zu schneien, damit er mit seiner Familie Schlitten fahren konnte. Auch hoffte er, bald wieder in die Schule gehen zu können. Denn im Gegenteil zu anderen Kindern in seinem Alter lernte er sehr gerne neue Dinge und liebte es, zu experimentieren.
Erst letzten Sommer hatte er mit seinem Großvater Brillen gebastelt, um gemeinsam die Sonnenfinsternis beobachten zu können.
Wenn er es sich aussuchen könnte, würde er am liebsten bei seinem Großvater leben. Dieser hatte nämlich allerlei tolle Werkzeuge in seiner Werkstatt und zeigte ihm immer, wie man diese benutzt. Seine Eltern hatten kein Interesse an Technik. Selbst den Computer, an dem Max gerade spielte, hatte Johannes sich hart erbetteln müssen, da seine Mutter moderne Elektrogeräte verteufelte.
Johannes war sehr gespannt auf das nächste Jahr. Er würde nämlich in nur ein paar Stunden mitbekommen, wie der Kalender auf das nächste Jahrtausend sprang und war mehr als aufgeregt über all die neuen Erfindungen, die es in der Zukunft bestimmt geben würde.
Bald würden Autos fliegen und Kühlschränke mit einem reden können. Vielleicht könnte man dann sogar Gerüche über das Fernsehen teilen. Davon hatte seine Mutter immer nach dem Anschauen ihrer Kochsendung geschwärmt.
Auch seine Eltern schienen voller Vorfreude auf das neue Jahr zu sein. Seine Mutter sagte, dass jetzt endlich Frieden auf der Welt herrschen würde, während sein Vater noch etwas skeptisch wegen des neuen Geldes war, das bald eingeführt werden sollte.
Seine Eltern stritten oft über Themen wie Politik, wenn sie dachten, dass die beiden Brüder sie nicht hören konnten. Max musste dann oft weinen, weshalb Johannes als großer Bruder dann umso stärker sein wollte.
Max meinte einst, dass er Politiker werden würde, wenn er groß wird, genauso wie der Bundeskanzler Schröder. Dann würden seine Eltern sich nicht mehr darüber streiten, was mit Deutschland passiert, da er dann entscheiden könnte.
Johannes hingegen hatte einen anderen Traum. Er hoffte, irgendwann ein großer Erfinder zu werden und Maschinen zu bauen, die den Menschen das Leben erleichtern werden.
Er hoffte auch, dass sein Vater ihm dann genauso stolz über den Kopf streichen würde wie sein Großvater und beeindruckt wäre, wie schlau er doch war für sein Alter.
Ein Klingeln an der Tür ließ die beiden Brüder aufschauen. Die Gäste waren gekommen und sie konnten endlich essen gehen.
Aufgeregt ließen sie den Computer und das Handy hinter sich liegen und rannten aus dem Zimmer zu den anderen.
