Young Story Award 2024
„Der Young Storyteller Award, präsentiert von story.one und Thalia, sucht die inspirierenden Storyteller und Geschichtenerzähler:innen unserer Zeit. Wir glauben an die Kraft junger Stimmen, die den Buchmarkt völlig neu bereichern und so den Weg für neue Trends und Bestseller ebnen.“

Leseprobe
Story 1: Montag, der… ach keine Ahnung mehr
Montagmorgens aufzustehen ist ein Graus.
Der Wecker klingelte. Ich hatte ihn schon dreimal ignoriert, daher blieb mir keine Wahl, als mich schlaftrunken aus dem Bett zu wälzen. Gehetzt richtete ich das Frühstück und steckte es mir in den Rucksack. Mein kurzer Abstecher ins Bad trug absolut nichts zur Besserung meiner Laune bei. Dafür gruben sich die Augenringe einfach zu tief in meine blasse Haut ein. So war das halt, wenn einen das Gaming nicht losließ. So what – war doch egal, ob ich als dreißigjähriger Mann wie vierzig aussah – machte mich höchstens interessanter.
Ich nahm mir ein frisches T-Shirt aus dem Schrank und eine Hose, die vermutlich vom Vortag auf meinem Noch-Tragbar-Wäschstapel lag, und zog mich an. Dann verließ ich die Wohnung.
Ich kenne nicht viele Leute, die gerne zur Arbeit gehen. Ich gehöre da dazu. Besonders montags zweifel ich immer wieder an allen Entscheidungen, die dazu geführt haben, Zeit an einem Ort verbringen zu müssen, den ich hasse.
Hätte ich mein Chemiestudium nicht abgebrochen, müsste ich jetzt nicht als Chemielaborant versauern. Aber was bringen Was-Wäre-Wenn Fragen? Jetzt war es eh zu spät.
Routiniert parkte ich mein Auto wie jeden Tag auf den gleichen Platz am Schotterparkplatz und überquere die Straße zum Seiteneingang dieses riesigen Gebäudekomplexes der Edelmetallindustrie.
Ein paar Sicherheitskontrollen später tausche ich in der Herrenumkleide Jeans und Sneaker gegen eine blaue Latzhose und ein Paar Sicherheitsschuhe.
Meine Abteilung, die aus vier Mann plus Abteilungsleiter besteht, ist am hinteren Ende des Gebäudes. Den Weg dorthin nutze ich wie immer, um eine Wasserflasche aufzufüllen und Kollegen einen guten Morgen zu wünschen. Ich hoffte, auf einen ruhigen Arbeitstag und öffnete die Glastür mithilfe des Mitarbeiterausweises, der um meinen Hals hing.
Auf der anderen Seite begrüßte mich Carsten, der wie so oft als erster da war und bereits ein paar der Maschinen eingeschalten hatte, die wir zur Destillation benötigten.
Das erste Mal wurde mir Carsten vor 5 Jahren vorgestellt, als ich neu in die Firma kam.
Und was soll ich sagen.
Carsten war ein cooler Typ.
